Nach dem Staatsbankrott

1. Dezember 2015

Hans-Werner Sinn

Im Interview im Anschluss an die Veranstaltung „Nach dem Staatsbankrott. Der Wandel in der DDR und in Ostdeutschland von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft“ am 1.12.2015 im Schloss Bellevue betont Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, dass die Wiedervereinigung nicht nur allein von ökonomischen Gesichtspunkten aus zu bewerten sei – sondern als bewegendes historisches Ereignis insgesamt. Es gebe aber immer noch enorme Unterschiede in der Produktivität, die private Wirtschaftsleistung betrage heute nur 62% des Westniveaus und die Industrie sei stark zurückgegangen. Aus seiner Sicht seien bei der Umwandlung von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft zwei elementare Fehler begangen worden: Zum Einen wurde das Volkseigentum nicht wie angedacht in irgendeiner Form den ostdeutschen Bürgerinnen und Bürgern zugesprochen, zum Anderen wurden die Löhne zu schnell auf das westliche Niveau angepasst. Es sei schwierig, eine komplette Angleichung zwischen Ost und West zu erreichen, da die Form der Marktwirtschaft keine großen Eingriffe von staatlicher Seite zulasse.

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